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Ukiyo-e

 

Das Malerei- und Farbholzschnitt-Genre Ukiyo-e hat mehr zu bieten als Hokusais „Die große Welle vor Kanagawa“: Vom Lustwandeln und Klagen der fließenden Welt der Bilder

Die bürgerliche Bildkunst Ukiyo-e entstand Ende des 16. Jahrhunderts. Wörtlich bedeutet ihr Name „Bilder der irdischen Welt“. Uki kann je nach Schreibweise als „beklagenswert“, „schmerzlich“ (憂き) oder „dahin fließend“ (浮き) übersetzt werden. Letztere hat sich weitgehend durchgesetzt. Sie steht für eine buddhistische Grundhaltung, die die Endlichkeit des Lebens betont.

Die Vergänglichkeit spielt in dieser Kunstform thematisch stark auf die Vergnügungsviertel an. So wählte man oft Kabuki-Schauspieler oder Kurtisanen als Bildmotive. Darauf nicht begrenzt repräsentieren die Bilder alle gesellschaftlichen Schichten der Edo-Zeit (1615-1866), aber auch Landschaften, Vögel, Blumen oder Fische.






Neben der ausgelassenen Freude des genannten Milieus tritt auch die Melancholie des schnell verfliegenden Moments hervor. Zwei klassische Ideale der japanischen Kunst weisen auf dieses Gefühl hin: Zum einen der „Pathos der Dinge“ (mono no aware), der die Endlichkeit des Lebens beschreibt. Zum anderen die „geschmackvolle Einfachheit und Bescheidenheit“ (wabi-sabi), die die natürliche Unvollkommenheit von Dingen zelebriert.

Dies spiegelt sich auch in der fließenden Linienführung wieder. Der harmonische Zeichenstil orientiert sich an der japanischen Kaligraphie, genauer an der gerundeten Silbenschrift Hiragana. Die Schlichtheit zeigt sich in der flächigen Kolorierung der Bilder. Nur selten experimentierte man mit Schattierungen.

Neben den berühmten Farbholzdrucken (ukiyo-e hanga) zählen auch Gemälde zu dieser Stilrichtung. Doch da diese zur klassischen Malerei gezählt werden können und lediglich den Beginn dieser Bewegung markieren, werden sie oft weniger beachtet. Die Künstler (ukiyo-e-shi), angeführt von Iwasa Shoi, Ukiyo Matanabe genannt, grenzten sich von den vorherrschenden Künstler-Schulen ab. Sie lehnten den vorherrschenden Einfluss chinesischer Ästhetik ab und legten Wert auf eine eigene, ‚rein japanische‘ Stilrichtung.

Als Vater des Holzschnittdruckes gilt Hishikawa Moronobu (im Aufmacher zu sehen: mikaeri bijin-zu [Zeichnung einer zurückblickenden Schönen]).
Die Druckgrafiken setzten sich vor allem durch, da sie durch ihre Reproduzierbarkeit für die breite Masse erschwinglich waren. Dabei entwickelten sich die Techniken von Schwarzweiß-Bildern bis hin zu einfarbigen und mehrfarbigen Bildern. Den Höhepunkt und Entwicklungsendpunkt bilden die sogenannten nishiki-e, wörtlich „Brokat-Bilder“, die durch ihre Farbenvielfalt und –brillianz hervorstechen.





Am Herstellungsprozess einer solchen Grafik war nicht nur der Künstler selbst, sondern auch ein Schnitzer, ein Drucker und der Herausgeber beteiligt.
Zuerst zeichnete der Künstler einen Entwurf, den er mit dem Herausgeber abklärte. Die danach angefertigte Endversion ging an den Schnitzer, der diese säuberlich eingravierte. Darauf basierend erstellte der Künstler das Farbkonzept des Bildes, wobei pro Farbe ein eigenes Blatt verwendet wurde. Für die Kolorierung erstellte der Schnitzer nun einzelne Holzstempel, die der Sparsamkeit wegen von beiden Seiten beschnitzt wurden. Zum Schluss kam der Drucker zum Zuge, der neben dem bloßen Auftragen der Farben, diese auch an mischte. Der ganze Schaffensprozess wurde vom Herausgeber überwacht, damit am Ende aus dem Zusammenspiel der drei Kunsthandwerker ein Meisterwerk entstehen konnte.

Drei Expos in Paris und Wien machten die Ukiyo-e ab den 1870ern auch im Westen bekannt. Sie erlebten besonders in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA einen regelrechten Boom. Dies bemerkten nur wenige Japaner, weshalb man die Preise der hohen Nachfrage entsprechend nicht anpasst. So verkauften sich zehn großformatige Holzschnittdrucke des Künstlers Kaigetsudō in Tōkyō für gerade einmal 1,50 Yen (heutzutage etwas mehr als ein Cent). Der heutige Wert eines einzelnen Bildes liegt bei über 20.000 Yen (etwa 190 Euro). Während später der westliche Impressionismus vom Farbholzdruck inspiriert wurde, gehörten die Ukiyo-e in ihrem Heimatland lange nicht zur bildenden Kunst. Sie dienten lediglich als Wanddekoration. Erst 1933 registrierte das Bildungsministerium hunderte Drucke als „wichtige Kunstschätze“. Zu den bekanntesten ukiyo-e-shi gehören Hokusai (1760-1849) und Hiroshige (1797-1858).

Für Kunstinteressierte, auch jene, die kein ausgeprägtes Japaninteresse besitzen, sind die aufwändigen Farbholzschnitte eine nähere Betrachtung wert. Dieses Handwerk, ist dadurch, dass es nicht beim Pinsel stehen blieb und sich stetig weiter entwickelte besonders originell. Einen eigenen Eindruck kann man sich noch bis zum 15.01.2012 im Düsseldorfer Museum Kunstpalast verschaffen.

 

Autor: Mareike W.
Lektor: Jennifer Brox
Grafiker: Nathalie Schöps /  unbekannt
Datum d. Artikels: 24.12.2011
Bildcopyright: Wikimedia Commons


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