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Tattookultur in Japan

 
Tattoos sind in der japanischen Gesellschaft bis heute ein sehr heikles Thema. Während die einen damit Kriminalität und soziale Ausgrenzung assoziieren, entdecken andere diese Körperverzierung für sich als neue Ausdrucksweise. In beiden Fällen jedoch spielen östliche wie westliche Einflüsse eine Rolle.
Bei der Verwendung der Worte „Tattoos“ und „Japan“ in einem Satz haben vermutlich die meisten erst einmal die Yakuza, japanische kriminelle Organisationen, im Kopf. Die Ursprünge der Tätowierkultur Japans reichen jedoch viel weiter zurück, genauer gesagt bis 500 v.Ch. Aus dieser Zeit stammt nämlich der bisher älteste Fund dargestellter Tätowierungen in Form von Tonfiguren mit im Gesicht aufgemalten Verzierungen.

Die ersten schriftlichen Belege entstammten der Geschichte einer chinesischen Dynastie aus dem Jahre 297 n.Ch. Dort heißt es: „Männer, jung und alt, tätowieren alle ihre Gesichter und dekorieren ihre Körper mit Muster.“ Generell wurden japanische Tätowierungen von den Chinesen jedoch als etwas Negatives angesehen und mit Folter und Quälerei in Verbindung gebracht.
Bis zum siebten Jahrhundert hatten die Machthaber Japans bereits vieles aus der chinesischen Kultur übernommen und so galten nun auch dort Tattoos als etwas zu Missbilligendes. Die erste nachweisliche Durchführung einer angeordneten Strafe in Form einer Tätowierung wurde an Hamako, einem Muraji des Azumi-Clans, aufgrund rebellischen Verhaltens gegenüber dem Staat vollzogen.

Im frühen siebzehnten Jahrhundert hatten Tätowierungen den Status von Erkennungsmerkmalen von Kriminellen und gesellschaftlichen Außenseitern, wie Prostituierten oder Arbeitern, erreicht. Hierbei fanden sich die Motive, bestehend aus speziellen Mustern, Kreuzen, Linien, Kreisen oder Kanji, bevorzugt auf Armen und Stirn, wieder. Diesen Menschen war es praktisch unmöglich, jemals wieder in das gesellschaftliche Leben integriert zu werden, da sie quasi gebrandmarkt waren. Sicherlich ist dies auch einer der Gründe, weshalb das Tätowieren in Japan als eine der grausamsten Strafen angesehen wurde. Zum Ende des siebzehnten Jahrhunderts hin wurde diese Form der Strafe jedoch durch andere Foltermethoden abgelöst, da die körperliche Dekoration durch Tattoos zunehmend populärer wurde. Gründe hierfür lagen in der Kunst des Holztafeldrucks und der Veröffentlichung des chinesischen Romans „Suikoden“, in dessen Illustrationen die Körper der Charaktere mit Drachen-, Tier-, Pflanzen- und religiösen Motiven verziert waren. So kam es auch zu der Entwicklung, dass Kriminelle ihre Strafmarkierungen mit größeren, prunkvollen Tattoos überdecken ließen.

Holztafeldruck-Künstler begannen, sich neben ihrem eigentlichen Beruf auch der Tätowierkunst anzunehmen. Dabei verwendeten sie zum Teil die gleichen Utensilien wie für den Holztafeldruck, bestehend aus Flach- und Hohlmeißel. Die Farbe wurde damit unter die Haut des zu Tätowierenden geklopft, was eine äußerst schmerzhafte Prozedur darstellte.








Nachdem 1868 die Herrschaft des Tokugawa-Shogunats endete und die Staatsführung wieder in Kaiserhand lag, wurde ein strenges Verbot gegenüber Tätowierungen verhängt. Hintergrund war die Befürchtung, dass die westliche Welt die japanischen Bräuche als barbarisch ansehen könnte. Einzig Ausländer durften weiterhin tätowiert werden. So erhielten, neben diversen Seefahrern, auch große westliche Persönlichkeiten wie der Herzog von York, König George V, oder der russische Zar Nicholas II Tätowierungen japanischer Künstler. Japaner wurden in dieser Zeit nur heimlich tätowiert.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges 1945 liberalisierte der US-General Douglas MacArthur die japanischen Gesetze, womit Tattoos wieder legal wurden. Doch trotz dieser Legalisierung übten viele Tätowierer ihre Arbeit weiterhin auf privater Ebene aus und empfingen die Kunden in der eigenen Wohnung statt in einem Studio.

Auch wenn Tattoos seit dem nicht mehr vom Staat verboten wurden, gelten sie im Wertesystem vieler Japaner –besonders der älteren Generation– auch heute noch als etwas Negatives. Zu einprägsam war die Propaganda des gesellschaftlichen Ausstoßes durch Tattoos. So wird tätowierten Menschen gegenwärtig der Zutritt zu vielen Badeanstalten, heißen Quellen oder auch den berühmten Kapsel-Hotels oftmals verboten und für Ausländer wird hierbei nur vereinzelt eine Ausnahme gemacht. Sogar an manchen Stränden werden Tattoos nicht gutgeheißen. Einziger Trick in solch einer Situation ist das Abdecken des Motivs – sofern es von der Größe und der Körperregion möglich ist.








Allerdings scheint sich allmählich eine Veränderung in der japanischen Gesellschaft bemerkbar zu machen, wenn diese auch noch sehr zögerlich von statten geht: Neben den alten, traditionellen Tattoos, die übrigens als „Irezumi“ bezeichnet werden, finden sich auch zunehmend Interessenten für westliche Werke. Der Unterschied ist nicht schwer zu erkennen: Traditionelle Tätowierungen sind meist großflächig angelegt und verlaufen über den Rücken, Schultern, Brust und einen Teil der Arme und Beine und werden daher auch „Bodysuit“ genannt. Als Motive dienen Szenen aus Fabeln, Drachen, Koi-Karpfen und eine Vielfalt asiatischer Botanik. Aufgrund des Umfangs, des zeitlichen Aufwands und der finanziellen Kosten kann es bis zu zehn Jahre dauern, bis solch ein „Bodysuit“ vollständig ist. Manche von ihnen werden sogar heute noch auf die alte traditionelle Art hergestellt, was es für den Kunden zusätzlich nochmal besonders schmerzhaft macht.
Bei den westlichen Tattoos handelt es sich hingegen oftmals nur um ein verhältnismäßig kleines Motiv, für welches meist nur eine Sitzung notwendig ist. Sie werden daher „wan-pointo“ genannt, als Abwandlung des englischen „one point“, da hierfür nicht der ganze Körper, sondern nur eine bestimmte Stelle tätowiert wird.

1999 fand die erste Tattoo-Convention in Japan statt. Es handelte sich hierbei um die „Tokyo Tattoo Convention“, organisiert von Horiyoshi III, einem der bekanntesten japanischen Tattoo-Künstler. Zuvor waren solche Veranstaltungen nicht erlaubt gewesen, da man in ihnen die Gefahr ganzer Aufläufe von Yakuza-Mitgliedern befürchtete. Horiyoshi III jedoch lud nur ausländische Tätowierer ein und empfing traditionelle japanische Tätowierer lediglich als Gäste, die ihre Kunst auf der Veranstaltung nicht aktiv demonstrieren durften.
Inzwischen gibt es eine Vielzahl japanischer Fachmagazine, die sich mit Tattoos beschäftigen, wie zum Beispiel Tattoo ai, Tattoo life oder Tattoo Energy. Zum Teil werden diese sogar in andere Sprachen übersetzt und im Ausland vertrieben.
Auch kann man bei Musikern, bevorzugt aus dem Rock-Genre, eine Zunahme von Tattoos beobachten, unter anderem bei Taiji (X Japan), Futoshi Uehara (Maximum the Hormone), Miyavi, Hakuei (Penicillin), Tatsu (Gastunk), Kyo und Kaoru (beide Dir en grey), Kenzi (ANTI FEMINISM) und Juichi Morishige (Dust 'n' Bonez).







Fazit: Das Thema Tattoo wird in Japan nach wie vor sehr sensibel behandelt, aber eine gewisse Veränderung im Umgang mit selbigem ist inzwischen nicht mehr von der Hand zu weisen. Sicherlich werden diese Veränderungen nur sehr langsam Einzug halten können, aber besonders die jüngere Generation, die allgemeine Globalisierung und somit auch das Internet können hierzu ihren Teil beitragen.


Einen ausführlicheren Beitrag zu diesem Thema findet ihr in Form unserer fünfteiligen Reportage "Tattoos in Japan".
Autor: Kathia Krüss
Lektor: Christine Schäffer
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 26.04.2012
Bildcopyright: Wikimedia Commons, Horace Bristol, Kohki, Taiji Sawada, Juichi Morishige, Futoshi Uehara


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