Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Die kleine Okko erfährt den Verlust ihrer Eltern bereits sehr früh. Doch zum Glück erhält sie Unterstützung aus der Geisterwelt...!

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Aktuell in Japan:
15.09.: Tag der Verehrung der Ahnen (keiro no hi) (gesetzlich) | 14.09. - 15.09.: ôsaka – Danjiri Matsuri (regional) | 14.09. - 17.09.: Kamakura - Hachiman Matsuri (regional) | 22.09. - 23.09.: Tagundnachtgleiche (o-higan) (landesweit) | 07.10. - 09.10.: Nagasaki – Okunchi Matsuri (regional)

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Manga-Café - Ein Ort zum Verweilen

 
Als günstige, inoffizielle Hotels erfreuen sich Manga-Cafés bzw. die Manga-Kissa in Japan großer Beliebtheit. Durch die Mischung aus Café und Bibliothek üben sie einen Reiz aus, dem man nur schwer widerstehen kann.
Mittlerweile sind sie auch hierzulande jedem Mangafan bekannt. Die Idee solcher Cafés kam erstmals in den 1970er Jahren auf, als das Angebot in einem der Kaffeehäuser (japanische Abkürzung für "Kissa") erweitert wurde. Für einen abwechslungsreicheren Aufenthalt konnten die Besucher nämlich neben einer Tasse Kaffee auch aus dem dortigen Vorrat Manga lesen. Gut zwanzig Jahre später stieg diese Art der Kaffeehäuser bedingt durch die Zunahme der weiteren Multimedia-Angebote rasant an, sodass in Tokyo im Jahr 2000 rund 200 Manga-Cafés existierten.

Bestehend aus einer umfangreichen Manga-Bibliothek und diverser Zeitschriften, wenn auch bisher nur auf Japanisch, mit einer breiten Themenvielfalt und um die 8.000 aktuellen und älteren Titel sind solche Cafés ein Paradies für alle Manga-Begeisterten. Gelesen werden sie vor Ort in einer kleinen Kabine, die selten mehr als 2 m² beträgt. Vor dem Betreten müssen die Straßenschuhe gegen bequeme Pantoffeln getauscht und die Schiebetür geschlossen werden und schon kann es losgehen. Zusätzlich sind die Kabinen mit einem Computer inklusive Internetanschluss ausgestattet sowie einem Fernseher mit DVD-Player und Kopfhörern, um die anderen Gäste nicht zu stören. Bequem macht man es sich auf einem Sofa oder einem (Massage-) Stuhl.

Je nach Preiskategorie können die Größe der Kabine und das Hightech-Angebot bestimmt werden. Die Gebühr pro Stunde liegt etwa zwischen 400 und 600 Yen und der Aufenthalt kann beliebig verlängert werden. Vor der ersten Nutzung ist eine Mitgliedschaft erforderlich, die 200 Yen beträgt; für Ausländer genügt das Vorzeigen des Reisepasses. Zudem ist eine Pauschalgebühr für eine komplette Nacht möglich, die lediglich 8-9 Euro kostet. Somit ist die Übernachtung in einem Manga-Café wesentlich preiswerter als eine Unterkunft im Kapselhotel und bietet sich zum Beispiel für Geschäftsleute an, die ihren letzten Zug verpasst haben. Schließlich haben die Cafés jeden Tag rund um die Uhr geöffnet. Oft werden sie in einen Männer- und einen Frauenflügel unterteilt. Auch sind verschieden Pakete buchbar wie das Früh-Morgen-Paket oder ein Übernachtungspaket, welche zusätzliche Besonderheiten beinhalten. Immer im Preis enthalten sind die warmen und kalten Getränke, die an den Automaten gezogen werden können. Außerdem sind Snackautomaten sowie Toiletten mit Duschkabinen vorhanden. Gegen eine Gebühr von 100 Yen ist es zusätzlich möglich, nützliche Dinge wie Handtücher und Zahnbürsten zu erwerben. Eben alles, was ein echtes Hotel braucht.

Doch mit all den schönen Seiten geht auch eine schlechte einher, denn immer wieder werden Missbrauchsfälle bekannt, da die Gäste das Café zeitlich unbegrenzt nutzen können. Gerade Obdachlose ohne festen Wohnsitz nehmen den Komfort und die günstige Übernachtungsmöglichkeit dankend an und residieren dort teilweise über Monate hinweg. Aber mal ehrlich – wem ist das bei solch einem Angebot schon zu verübeln?






Die Idee solch einer Einrichtung scheint sich durchzusetzen, denn mittlerweile gibt es auch die Manhwabang in Südkorea nach japanischem Vorbild. Ebenso in den USA kann man die Atmosphäre eines Manga-Cafés genießen und als erster europäischer Staat eröffnete Frankreich 2006 ein Manga-Kissa in Paris. Hoffen wir also, dass Deutschland bald nachzieht, auch wenn bis dahin noch einige Hürden überwunden werden müssen. Bei einer Japanreise darf der Besuch im Manga-Café auf keinen Fall fehlen und ist zudem eine preisgünstige Alternative, falls der Geldbeutel für eine teure Übernachtung einmal nicht mehr hergibt.
Autor: Svenja Priggert /  Chinatsu
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 24.06.2012
Bildcopyright: Wikimedia Commons


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