Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Die kleine Okko erfährt den Verlust ihrer Eltern bereits sehr früh. Doch zum Glück erhält sie Unterstützung aus der Geisterwelt...!

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Jizo - Begleiter der Toten

 
Er ist der Retter der Seelen Verstorbener und gleichzeitig ihr Richter. Ein besonderes Verhältnis verbindet ihn mit den Wasserkindern. - Jizo, Begleiter der Toten.
Jizo zählt in Japan mit zu den beliebtesten Bodhisattva-Figuren („Erleuchtungswesen“). Das ist auch wenig verwunderlich, beachtet man sein frommes, oftmals kindlich erscheinendes Äußeres. Neben seinem kahl geschorenen Kopf und einer Mönchskutte trägt er meist noch einen Stab in der einen sowie eine Wunscherfüllungsperle in der anderen Hand.

Obwohl Jizo ursprünglich aus Indien stammt, wo er Ksitigarbha heißt, ist er in Korea, Japan und China wesentlich populärer. In Japan fand er erstmals Erwähnung während der Nara-Zeit (710 – 794) und erlangte durch die Tendai- und Shingon-Sekten weitere Bekanntheit. Während der Heian-Zeit (794 – 1192) nahm diese mithilfe der Jodo-Sekte fortwährend zu, da nun auch die Angst um die „Hölle“ nach dem Ableben eines Individuums wuchs. Denn Jizo gilt als Begleiter der Seelen verstorbener Sünder, welche er aus der Hölle befreit und ins Himmelsreich schickt. Gleichzeitig soll Enma (auch als Yama bekannt), der Richter der Unterwelt, eine Manifestierung Jizos darstellen, womit ihm eine gewisse Doppelrolle zugeschrieben wird.



Über die Entstehung von Jizo gibt es mehrere Mythen. Eine weitverbreitete ist die eines koreanischen Mönchs aus dem siebten Jahrhundert namens Gin Chau Jue, welcher für 75 Jahre im chinesischen Chiu-hua-shan (heute als die Provinz Anhui bekannt) lebte. Als der Mönch 728 im Alter von 99 Jahren starb, soll sein Körper nicht zerfallen, sondern vergoldet worden sein. Fortan wurde er verehrt und angebetet.
Ein anderer, ebenfalls bekannter Mythos erzählt wiederum die Geschichte eines jungen, indischen Mädchens, welches „Sacred Girl“, also „heiliges Mädchen“, genannt wurde. Nachdem ihre Mutter, die sich dem Buddhismus gegenüber zuletzt sehr respektlos verhalten hatte, verstarb, machte sich Sacred Girl große Sorgen um mögliche Qualen, die ihre Mutter in der Hölle erleiden müsse. Sie verkaufte all ihr Hab und Gut und beschaffte von dem Geld Opfergaben für Buddha, zu welchem sie täglich betete. Eines Tages wurde ihr Bewusstsein von Buddha in die Hölle geschickt, wo sie von einem Wächter erfuhr, dass ihre Mutter aufgrund der Opfergaben und Gebete in den Himmel gesandt wurde. Das erfreute Sacred Girl zwar, jedoch hinterließ die Hölle mitsamt den Qualen erleidenden Wesen solch einen massiven Eindruck bei ihr, dass sie einen Schwur ablegte, in diesem wie auch in allen folgenden Leben das Leiden von Individuen lindern zu wollen.




Doch Jizo hat für viele auch noch eine ganz besondere Bedeutung: Er gilt als Retter der Seelen früh verstorbener sowie ungeborener Kinder. Zu Letzteren zählen sowohl Fehlgeburten als auch Abtreibungen. Abtreibungen erleben in Japan, anders als in Deutschland, keine großartige Tabuisierung. Dennoch werden Ungeborene als Wesen mit eigenen Seelen angesehen, für die gebetet werden soll.
Früh verstorbene Kinder tragen den Namen „mizuko“ („Wasserkinder“). Laut Erzählungen sind die Seelen der Wasserkinder alleine nicht fähig, den Fluss der Unterwelt zu überqueren und benötigen dafür Jizos Hilfe. Ansonsten würden sie auf ewig zwischen dem Diesseits und Jenseits, am steinigen Flussufer „Sai no kawara“, verweilen müssen.

Auf manchen Friedhöfen, an welchen Jizo am häufigsten anzutreffen ist, gibt es ganze Ansammlungen von Jizo-Statuen, dicht beieinanderstehend. Oft tragen sie Mützen und Lätzchen, manche erhalten sogar noch ein zusätzliches Bündel an Spielzeug. Dies wird der jeweiligen Statue meist von den Eltern verstorbener Kinder gegeben, damit Jizo den Geruch des Kindes erkennt und dieses am Flussufer schneller finden und retten kann.



Autor: Kathia Krüss
Lektor: Daniela Würdig
Grafiker: Kathia Krüss
Datum d. Artikels: 11.04.2013
Bildcopyright: Wikimedia Commons


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