Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Gigantische Wale am Nachthimmel, Clans, die um die Vorherrschaft kämpfen - all das sind Elemente des Fantasy-Romans "Die Clans von Tokito" von Caroline Brinkmann. Im Interview sprechen wir mit der Autorin über Freund und Feind und welchem Clan sie sich anschließen wollen würde.

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Der Yasukuni-Schrein

 
Oft ist im Monat August in der internationalen Presse kurzzeitig vom Yasukuni-Schrein die Rede, nicht selten in Verbindung mit politischer Kritik. Doch was genau hat es damit auf sich und wofür steht der Yasukuni-Schrein eigentlich?
Bei dem Yasukuni-Schrein (zu deutsch: „Schrein des friedlichen Landes“) handelt es sich um einen Shinto-Schrein in Andenken an die Kriegsgefallenen seit der Meiji-Restauration.
Errichtet wurde er im Jahre 1869 im Tokyoter Stadtbezirk Chiyoda, trug zunächst jedoch den Namen Tokyo Shokonsha („Tokyoter Schrein zum Herbeirufen der Totengeister“). Ursprünglich sollte hier allen Kriegshelden gedacht werden, die auf der kaiserlichen Seite während der Meiji-Restauration gekämpft hatten. Im Laufe der Zeit weitete man die Bedeutung des Schreins aber auch auf spätere Kriege aus.


1879 erhielt der Schrein vom damaligen Tenno seinen heutigen Namen, welcher auf der Textzeile „waga motte kuni o yasunzuru nari“ aus dem chinesischen Geschichtswerk „Zuozhuan“ basiert. Übersetzen lässt sich besagte Zeile mit „Ich tat es, um das Land zu befrieden“. Außerdem ernannte der Tenno den Schrein zum Reichsschrein der Sonderklasse.

Den Haupteingang des gesamten Geländes markiert das Große Torii, welches mit seinen 25 Metern zu den höchsten Schreintoren des Landes zählt. Allerdings musste es aufgrund witterungsbedingter Schäden erneuert werden; das heutige Torii stammt aus dem Jahr 1974. Auf dem Vorgelände befinden sich zwei Brunnen: der Irei no Izumi („Brunnen zur Beruhigung der Seelen“) und der Otemizusha. Letzterer wird von Besuchern aus rituellen Gründen zur Reinigung der Hände und des Mundes vor Betreten des Hauptgeländes genutzt.

Das Hauptgelände wiederum beschreitet man durch das Shimmon, auch Kami-Tor genannt. Es wurde 1934 errichtet und ist mit großen Chrysanthemen-Wappen, dem Kaiserlichen Siegel, verziert. Durch ein weiteres Tor erreicht man die Haiden („Gebetshalle“) sowie die dahinterliegende Honden („Haupthalle“). Hinter dieser findet man die Reijibo Hoanden, in welcher ein Schriftstück mit den Namen aller im Schrein Verehrten ruht.
Etwas abgeschieden liegen der Motomiya („Ursprungsschrein“) sowie der Chinreisha („Schrein zur Befriedung der Seelen“). Der Motomiya wurde in den 1860ern heimlich von Anhängern des Kaisers in Kyoto erbaut und sollte den Kriegsgefallenen der frühen Meiji-Restauration gedenken. Er stellt somit die Ursprungsidee des Yasukuni-Schreins dar. Seit 1931 befindet er sich auf dem Gelände des Yasukuni-Schreins und trägt seinen heutigen Namen.
Der Chinreisha wurde erst 1965 errichtet und gedenkt zum einen den Japanern, die im Boshin-Krieg (1868 – 1869) sowie zu Meiji-Restaurationszeiten gegen die kaiserlichen Truppen kämpften und zum anderen jener Gefallenen aller anderen Nationen sowie den Kriegsgegnern.







Auf dem Gelände befinden sich darüber hinaus noch der Saikan, zur Reinigung der Priester, das Shamusho („Schreinamt“), eine No-Theaterbühne, die Sanshuden („Versammlungshalle“), die Tochakuden („Empfangshalle“) sowie mehrere Statuen. Mit den Statuen werden die auf dem Schlachtfeld gefallenen Pferde, die im Krieg eingesetzten Brieftauben, die Armeehunde, die Kriegswitwen, die Kamikaze-Piloten sowie der indische Richter Radhabinod Pal geehrt.

Das Yasukuni Kaiko Bunko stellt das öffentlich zugängliche Archiv des Schreins dar und dokumentiert in 100.000 Bänden die Umstände des Todes der im Schrein Verehrten.
Das Gelände verfügt außerdem über einen Ziergarten mit drei Teehäusern sowie einem Sumo-Ring, der für einen Sumo-Kampf im Rahmen der Einweihungsfeierlichkeiten des Schreins 1869 gebaut wurde.
Aber damit nicht genug: Auch ein Museum, das Museum Yushukan, ist angegliedert und stellt für ausländische Touristen die erklärenden Texte sogar auf Englisch bereit. Hier sei allerdings Vorsicht geboten, denn in diesem Museum wird die japanische Kriegsgeschichte deutlich beschönigt und idealisiert. Die aufgeführten Beschreibungen haben nicht viel mit sachlicher Darstellung gemein und sollten nicht unbedingt als alternative Geschichtsstunde angesehen werden.







Jedes Jahr, wenn ein hochrangiger japanischer Politiker am 15. August, dem Tag der Kapitulation, den Yasukuni-Schrein besucht, kommt es im eigenen Land wie auch im asiatischen Ausland zu vorübergehenden Verstimmungen: Viele linksorientierte Japaner und allgemeine Kriegsgegner sehen in solchen Besuchen eine Glorifizierung der japanischen Kriegsgeschichte. Eine ähnliche Argumentation hört man auch von Seiten Chinas sowie Nord- und Südkoreas. Die beiden Koreas kritisieren zudem, dass im Schrein zwangsrekrutierte Koreastämmige verehrt werden und man ihre Namen, trotz des Einwandes Angehöriger, nicht löscht. Sehr ähnlich verhält es sich auch mit Taiwan, wobei die Proteste aus Taiwan nicht so groß ausfallen wie aus Korea.
Autor: Kathia Krüss
Lektor: Hannah Hohmann
Grafiker: Kathia Krüss
Datum d. Artikels: 02.03.2014
Bildcopyright: Wikimedia Commons


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