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Andreas Neuenkirchen ist bekannt für seine Japanbücher, sowohl in Romanform wie auch als Reiseliteratur. Mit „Kawaii Mania“ hat er ganz frisch einen neuen Titel auf den Markt gebracht – und uns Rede und Antwort gestanden!

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Bunraku-Theater

 
Das Bunraku-Theater ist eine der wichtigsten Formen des japanischen Theaters. Die Aufführungen finden ohne Schauspieler statt, dafür aber mit sehr großen Puppen, welche von mehreren Puppenspielern gleichzeitig gesteuert werden.
Der Name "Bunraku" stammt vom einzigen kommerziellen Bunraku-Theater, welches bis in die Neuzeit hinein überlebt hat. Es ist auch bekannt unter dem Namen "ningyô jôruri", wobei "ningyô" das japanische Wort für "Puppe" ist und "jôruri" der Ausdruck für eine Kombination aus gesprochenem Wort und der Unterlegung durch Musik.
Dass es nur ein kommerzielles Theater bis in die Neuzeit geschafft hat macht deutlich, dass diese Theaterform in Japan nicht immer einen guten Stand hatte.


Entwickelt wurde das Bunraku in der Edo-Zeit (1600-1868) als Teil der Händler-Kultur. Aber auch zuvor schon gab es bereits Formen des Bunraku. So zogen beispielsweise in der Heian-Zeit (794-1185) Puppenspieler durch das Land, welche in den Orten und Städten für ein wenig Geld ihre Stücke aufführten. Als diese Form der Unterhaltung dann in der Edo-Zeit immer beliebter wurde, stand das Bunraku schließlich unter der Obhut des Shôguns. Im 18. Jahrhundert kam es schließlich zu einer engeren Verzahnung des Bunraku und des Kabuki, da die Stücke ähnliche Themen aufgriffen und teilweise auch Stücke der einen Theaterform für die andere adaptiert wurden. Allerdings sorgte dies auch dafür, dass nach und nach das Interesse für das Puppentheater verloren ging, da stattdessen das Kabuki immer bekannter wurde. So blieb schließlich nur das Bunraku-za übrig und musste vom Staat unterstützt werden, damit diese Form des Theaters nicht ganz ausgelöscht wird.

Heute hat es keinen so schlechten Stand mehr. In Tôkyô und Ôsaka gibt es regelmäßig Bunraku-Aufführungen und die Schauspielgruppen touren teilweise auch durch das Ausland. Wahrscheinlich wurde es auch deswegen 2005 in die UNESCO-Liste der "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit" aufgenommen.


Aber wie sieht so eine Bunraku-Aufführung aus?
Die Puppen, welche beim Bunraku verwendet werden, können ganz unterschiedlich ausfallen. Meist sind sie von zweidrittel bis halb so groß wie ein lebendiger Mensch. Sie besitzen einen Kopf aus Holz, welcher oft so aufgebaut ist, dass die Puppen die Augen bewegen können, einen Torso, sowie Arme und Beine. Bei weiblichen Figuren werden die Beine oft weggelassen, da sie ohnehin einen sehr langen Kimono tragen. Momentan gibt es um die 70 verschiedenen Puppenköpfe, die für die unterschiedlichsten Stücke gebraucht werden.

Um solch eine Puppe nun zu bewegen, benötigt es mehrere Spieler. Der omozukai, der Hauptspieler, bewegt den Kopf und den rechten Arm der Puppe, was aufgrund des Gewichts selbiger oft nicht ganz leicht ist. Der hidarizukai, der erste Assistent, steuert den linken Arm und der zweite Assistent, der ashizukai, steuert die Bewegung der Beine. Da die Spieler natürlich größer sind als die Puppe, ist es unvermeidlich, dass man sie auf der Bühne erkennen kann. Früher waren sie deswegen vollkommen in schwarz gekleidet, um weniger aufzufallen, aber heute ist es oft der Fall, dass zumindest der omozukai gut sichtbar auf der Bühne agiert.
Die wichtigste Rolle in einem Bunraku-Spiel hat allerdings der tayû, der Sprecher. Er ist für die Atmosphäre während des Spiels zuständig und muss in der Lage sein, jede der Rollen zu sprechen. Dies bedeutet, dass er sowohl tiefe Männerstimmen, als auch hohe Frauen- und Kinderstimmen spielen können muss. Unterlegt wird das ganze Stück dann mit den Klängen der Shamisen.


Bunraku gilt als ein Autorentheater, was bedeutet, dass der Text im Vordergrund steht und nicht die Schauspieler oder die Inszenierung des Stückes. Dies wird auch dadurch deutlich, dass zu Beginn jeder Aufführung der tayû vor das Publikum tritt, den Text in die Höhe hält und sich davor verbeugt. Der bekannteste Bunraku-Autor ist Chikamatsu Monzaemon, welcher über 100 Stücke geschrieben hat. Er ist auch als der "Shakespeare von Japan" bekannt.
Das Bunraku-Theater ist eine der wichtigsten Theaterformen in Japan. Wie wichtig es ist zeigt die Tatsache, dass es im Laufe der Jahre immer wieder vom Staat unterstützt wurde. Für eine Performance benötigt man keine Schauspieler sondern Puppen, welche von mehreren Spielern gesteuert werden. Dafür gibt es aber nur einen Erzähler, welcher für die ganze Stimmung im Stück zuständig ist.
Autor: Jennifer Kinkel /  Juka
Lektor: Kathia Krüss
Grafiker: Denise Augustin /  Sunny-Ray
Datum d. Artikels: 18.04.2014
Bildcopyright: Wikimedia Commons


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