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Origami – Die Kunst des Faltens

 

Das Wort Origami (折り紙) ist zusammengesetzt aus den Wörtern „oru“ (falten) und „kami“ (Papier). Daher wird Origami gerne als „Die Kunst des (Papier-) Faltens“ übersetzt.
Die traditionelle Kunst ist auch in Europa sehr beliebt und kennt mittlerweile keine Grenzen mehr.

Im Standardfall, das „Klassische Origami“, geht man von einem quadratischem Blatt Papier aus, aus welchem nur durch Falten zwei- oder dreidimensionale Objekte entstehen. Dies sind zum Beispiel Tiere, Papierflieger, Gegenstände oder geometrische Körper.
Dabei sind Hilfsmittel wie Schere und Klebstoff verpönt.
Die Standardgrößen des Papiers sind hierbei 7,5 cm, 15 cm, 18 cm, 20 cm und 25 cm. Die meist verwendete und verbreitetste Größe ist 15 x 15 cm.

Erst im 19. Jahrhundert erfanden die Japaner das Wort „Origami“, welches heute verwendet wird.
Die Kunst des Faltens gibt es aber schon länger. Die Chinesen erfanden es im ersten oder zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Erst zweihundert Jahre zuvor hatten sie das erste Papier hergestellt.
Jahrhunderte später, zur Heian-Zeit (794-1185), erreichte die Kunst des Faltens dann Japan.

Anfangs blieb Origami der reichen Oberschicht vorbehalten, da Papier sehr teuer war.
Daher war die Kunst in der Kamakura-Epoche (1185-1333) noch nicht sehr verbreitet. Erst in der Muromachi-Zeit (1333–1568) erreichte das Falten seine erste Blütezeit und wurde zur Tradition. Die Kinder begannen, die Falttechniken von ihren Eltern zu lernen und gaben diese wiederum ihren Kindern weiter.





Bevor sich Origami stärker verbreitete, war es zeremoniellen und religiösen Bedeutungen vorbehalten. Papierfiguren zu solchen Zwecken nennt man noch heute „Noshi“ (熨斗), „Noshigami“ oder auch „Tsutsumi“. Sie werden heutzutage gerne zu Geschenken gereicht, da sie dem anderen „Gutes“ wünschen.
Manche dieser Noshi von damals zählen heute noch zu den zweidimensionalen Grundfiguren der Falttechnik. Ein Beispiel hierfür ist der gefaltete Schmetterling (Orisue). Er steht als Symbol für die intime Vereinigung und andauernde Liebe. Daher wurde er oft bei traditionellen Hochzeiten der Schintoisten gereicht.

Es dauerte einige Jahrhunderte, bis die mündlichen Überlieferungen der Falttechniken endlich niedergeschrieben und so für mehr Menschen zugänglicher gemacht wurden.
Im Jahre 1797 stellte ein japanischer, religiöser Würdenträger das Buch „Sembarazu Orikata“ („Wie man tausend Kraniche faltet“) fertig. Es soll die erste, veröffentlichte Schrift von Origami-Bauanleitungen gewesen sein.
Hierin gab es auch die Anleitung zum heute noch sehr bekannten „Kranich“, welcher in Japan für Frieden und den Widerstand gegen den Atomkrieg steht.

In Europa entwickelte sich, unabhängig von China und Japan, eine eigene Kunst des Papierfaltens durch die Ägypter und die Bewohner Mesopotamiens.
1878 kam es schließlich zu einer Verschmelzung der europäischen und asiatischen Origami-Kunst - und zwar auf der dritten Weltausstellung, der Expo, in Paris.

1954 veröffentlichte Akira Yoshizawa sein Buch „Atarashi Origami Geijutsu“ („Neue Origamikunst“), in dem er eine neue und verbesserte Art von System vorschlug, um die Falttechniken genauer wieder zu geben. Bisher waren sie meist nur per Zeichnung oder Fotografie veranschaulicht worden und zeigten keine genauen Angaben zum Faltweg.
Auf dieses neue System, mit gestrichelten und gepunkteten Linien, wurden Samuel Randlett und Robert Harbin aufmerksam und erweiterten es um mehrere Symbole, welche sich zu einem Standard entwickelten. Die internationale Origami-Gemeinschaft nahm das kombinierte System schnell an und so ist das „Yoshizawa-Randlett-System“ noch heute in Verwendung.




Mittlerweile gibt es eine große Anzahl von Teilbereichen des Origami. Angefangen beim „klassischen Origami“ (siehe oben), über das „modulare Origami“, mehrere gleiche Teile werden zu einem Modell zusammengesetzt, bis hin zum „kinetic Origami“, bei welchem Spiralen erstellt werden, die sich nach Belieben drehen lassen.
Aber nicht nur im künstlerischen Bereich wird Origami verwendet, auch ein pädagogischer Zugang eröffnete sich, als Friedrich Fröbel (1782-1894) die Konzeption in seinem Kindergarten übernahm und erfolgreich benutzte.

Auch heute noch steht die Origami-Kunst vor einer Weiterentwicklung. Sie beschäftigt mittlerweile viele Wissenschaftler rund um den Globus. Es wurden sogar eigene Computerprogramme entwickelt, um weitere mögliche Origami-Figuren zu entdecken.
Die Fantasie der Menschen, was Origami angeht, ist noch nicht an ihre Grenzen gestoßen.


Bei uns in Deutschland gibt es sogar einen Verein für die schöne Faltkunst. Dieser bietet neben Faltanleitungen auch Informationen zu Origami-Events und eine Zeitschrift an. Schaut doch mal rein bei „Origami Deutschland“.
Und dann ran ans Falten! Denn in Japan heißt es, wenn man tausend Kraniche faltet, dann gewähren einem die Götter einen Wunsch.

Autor: Bettina Spallek /  Subaru
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Denise Augustin /  Sunny-Ray
Datum d. Artikels: 03.06.2014
Bildcopyright: Wiki Commons


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