Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Nach dem Eröffnungskonzert seiner „REBOOT"-Tour am Gründonnerstag in Essen hat sich Satsuki die Zeit genommen, uns ein paar Fragen zu beantworten. Lest hier, was er über seinen Imagewandel, etwaige Sorgen und auch über Deutschland zu sagen hat.

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Kamagasaki - Osakas Slum

 
Kamagasaki ist einer der Orte Japans, über die das Land lieber schweigt. Denn hier findet ein vollkommen anderes Leben statt, als jenes, welches in zahllosen Reisebroschüren beworben wird: Kamagasaki ist einer der größten Slums Japans.
Die Metropole Osaka gilt landesweit als eine der Hauptattraktionen für Touristen und ist bekannt für bunte Lichter, gutes Essen und schier unendlichen Einkaufsmöglichkeiten. Doch hat diese Großstadt auch noch eine ganz andere Seite – und die nennt sich Kamagasaki. Hierbei handelt es sich um einen Teil des Stadtbezirks Nishinari-ku, in welchem besonders viele Obdachlose und Tagelöhner leben. Und hier ist dann auch nichts mehr zu sehen von den bunten Lichtern und dem hochgelobten Essen.

Wie viele Einwohner Kamagasaki hat, weiß niemand so genau und es gibt keine offiziellen Zählungen. Zudem wird der Name Kamagasaki überwiegend von der ansässigen Bevölkerung verwendet – denn seit Mai 1966 wird von offizieller Seite aus nur von Airin-chiku gesprochen. Der Name Kamagasaki wurde von allen öffentlichen Karten und aus den Medien verbannt. Allgemein bemüht sich Osaka darum, dem Ort so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu schenken – wie zum Beispiel beim 2013 - 2014 Osaka Asian Film Festival, als der von Shingo Ota eingereichte Film „Fragile“ abgesetzt wurde, da die Dreharbeiten in der Nachbarschaft von Kamagasaki stattfanden und der Film zum Teil von der Stadt Osaka mitfinanziert wurde. Allerdings konnte man in manchen Szenen Kamagasaki als Ort identifizieren, woraufhin Ota darum gebeten wurde, eben diese Szenen zu entfernen. Aber er weigerte sich.




Obwohl niemand die konkreten Zahlen der Einwohner von Kamagasaki kennt, werden sie auf etwa 25.000 geschätzt. Viele von ihnen sind täglich in der Airin Sozialstation anzutreffen, einem ungemütlichen, rauen Gebäude. Hier findet man vornehmlich ältere Männer mit der Hoffnung, einen guten Tag erwischt zu haben und etwas Geld verdienen zu können.
Ein anderer Haupttreffpunkt ist der Sankaku Park. Dort gibt es einen, in erhöhter Position angebrachten, Fernseher. Dieser ist zwar die meiste Zeit ausgeschaltet und abgeschlossen, doch zweimal am Tag, in den Morgenstunden und am frühen Abend, haben die Bewohner die Möglichkeit, dem Fernsehprogramm zu folgen.

Die Essensversorgung der Obdachlosen wird meist von religiösen oder wohltätigen Vereinigungen getragen. Wenn eine Unterkunft gesucht wird, die aus mehr als einer Pappunterlage und einem kaputten Regenschirm bestehen soll, bieten sich die Doya Hotels an: Kleine, einfache Zimmer für wenig Geld, die besonders von Tagelöhnern in Anspruch genommen werden.




Japan ist für viele Westler in zahlreichen Dingen „anders“ und so gibt es auch in Kamagasaki zwei Dinge, die trotz all des Elends auffallen: Die ganze Gegend ist für einen Slum erstaunlich sauber. Natürlich liegt auch hier mal eine leere Bierdose oder eine kaputte Tüte herum, aber wenn man sich durch die Straßen oder den Park bewegt, trifft man vor seinen Füßen auf verhältnismäßig wenig Abfall.
Die andere Auffälligkeit ist das soziale Miteinander. Anders als in den bunten Luxusvierteln des Landes, die zum hemmungslosen Konsum einladen sollen, reden und lachen die Menschen auf Kamagasakis Straßen miteinander und stehen füreinander ein. Fast scheint es, eine abgeschlossene Gesellschaft in der Gesellschaft zu geben. Denn so schlecht die hier Lebenden auch situiert sein mögen: Ihren Stolz haben sie nicht verloren!
Aufmacher: Denise Augustin
Autor: Kathia Krüss
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Kathia Krüss
Datum d. Artikels: 09.07.2014
Bildcopyright: Wikimedia Commons


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