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Tausende demonstrieren gegen homophobe Äußerung von Politikerin

Quelle: www.japantimes.co.jp
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Es tut sich was im Bewusstsein junger Japaner: Vergangenen Freitag-Abend versammelten sich mehrere tausend Protestanten vor dem Hauptgebäude der Liberal-Demokratischen Partei und forderten den Rücktritt der Abgeordneten Mio Sugita. Diese hatte die LGBT-Community kürzlich als „unproduktiv“ abgestempelt.

In dem konservativen Magazin „Shincho 45“ äußerte sich Sugita in einem Artikel darüber, dass Steuereinnahmen nicht für politische Entscheidungen eingesetzt werden sollten, die gleichgeschlechtliche Paare unterstützen, da diese ja „unproduktiv“ seien aufgrund der Tatsache, miteinander keine Kinder zeugen zu können.

Viele Anhänger der LGBT-Szene schlossen sich den Protesten an, nachdem ein Hashtag in den sozialen Medien viral gegangen war. Sie forderten Sugitas Rücktritt, da sie ihrer Auffassung nach die Menschenrechte nicht vertritt.

Yumi Moriya, Mitglied des Bündnis der LGBT-Legislation und Mitorganisatorin der Demonstration, schätzt die Anzahl der Teilnehmer auf 5.000.

„'Unproduktiv' ist kein Wort, welches du benutzt, um das menschliche Wesen zu beschreiben – LGBT oder nicht“, sagt Rina Matayoshi, eine 26jährige Mitdemonstrantin und bekennende Lesbe.

Im besagten Magazin sprach Sugita darüber, dass durch die gegenwärtige Befürwortung vieler Medien zur Auslebung verschiedenster sexueller Neigungen das Risiko bestünde, die bisher anerzogene „normale Romanze“ abzulehnen. Es wird ihnen ja nun gezeigt, dass sie auch homosexuell leben könnten, was nach Sugitas Ansicht die Anzahl der „unglücklichen Leute“ ansteigen lassen würde.

„Na und? Will sie behaupten, wir seien abnormal oder so etwas?“, entgegnet Matayoshi darauf.

Eine weitere 26jährige Teilnehmerin der Demo, Ame Kondo, gab an, die Worte Sugitas hätten sie so stark verletzt, dass sie tagelang kaum Schlaf fand. „Ich fühlte mich, als hätte ich kein Recht darauf, am Leben zu sein“, sagt sie. Kondo wurde ursprünglich mit männlichem Geschlecht geboren und unterzieht sich gegenwärtig einer Hormontherapie.

Mariru, eine 21jährige Tokyoter Studentin, ist der Meinung, die sogenannte „Produktivität“ oder eben die Abwesenheit selbiger sollte nicht in erster Linie dazu genutzt werden, um über einen Menschen zu richten. „Mir ist aufgefallen, manch einer argumentiert, auch LGBT-Menschen würden sich an der japanischen Wirtschaft beteiligen, dadurch, dass sie arbeiten gehen und ihre Steuern zahlen, wie jeder andere auch. Aber diese Art des Denkens ist die gleiche wie Sugitas.“

Großen Beifall gab es von den Demonstranten, als eine 22jährige Frau aus der Menge hervortrat und aus vollem Halse schrie: „Ich lasse mich von niemandem aufhalten, eine Frau zu lieben! Jeder hat es verdient zu leben! Jeder hat es verdient, bedingungslos geliebt zu werden!“

Vor zehn Jahren hätte es solch eine Reaktion in diesem Maß in Japan wahrscheinlich noch nicht gegeben.

Autor: Kathia Krüss
Datum d. Artikels: 28.07.2018


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