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In Japan gestrandete südamerikanische Künstlerinnen erfahren Gastfreundschaft

Quelle: japantimes.co.jp
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Seit bald einem Jahr hat das Coronavirus das Leben zahlreicher Menschen rund um den Globus massiv verändert. Es dringen jedoch auch immer wieder Stimmen durch, die von einer positiven Entwicklung oder Erfahrungen berichten.

Solch einen Fall beschreibt zum Beispiel die Geschichte von drei südamerikanischen Künstlerinnen, die in der Stadt Kofu, Präfektur Yamanashi, gestrandet sind. Die Kolumbianerinnen Teresa Currea und Oriana Marin sowie die Brasilianerin Clara Campos lernten sich erst Anfang 2020 durch ein Künstlerprogramm in Japan kennen. Ursprünglich war das Programm nur auf ein paar Monate ausgelegt – doch dann kam Corona. Kolumbien schloss alle Grenzen. Brasilien behielt seine Grenzen zwar weitestgehend offen, doch die Flüge dorthin wurden reihenweise gecancelt. Somit war es für Currea, Marin und Campos unmöglich, zurück in ihre Heimat zu kehren.

Nun ist Kofu mit knapp 190.000 Einwohnern eine verhältnismäßig kleine Stadt, verglichen mit den Heimatstädten der drei jungen Frauen. In Kofu kennen sich viele Bewohner untereinander und es herrscht eine gewisse Willkommenskultur, welche die Künstlerinnen auch schon sehr bald in ihrer misslichen Lage zu spüren bekamen. Da der Aufenthalt in Japan viel länger andauerte, als ursprünglich geplant, waren die Ersparnisse der Frauen natürlich irgendwann aufgebraucht und da sie auch keine gültigen Visa mehr besaßen, war es ihnen unmöglich, sich ihren Lebensunterhalt vor Ort durch reguläre Jobs zu finanzieren.

Und hier setzte die Hilfsbereitschaft der Bewohner von Kofu ein: Viele spendeten Kleidung (vor allem Winterkleidung) und Essen und Kaori Watanabe, Präsidentin der Leiharbeitsfirma Answer Knocks, unterstützte die Drei zusätzlich.

Als Dank gab es für Frau Watanabe drei sehr unterschiedliche Portraitzeichnungen, die von Currea, Marin und Campos angefertig wurden – und nachdem Watanabe diese Zeichnungen in den sozialen Medien teilte, prasselten zahlreiche Anfragen begeisterter Menschen auf die drei Frauen ein, ob sie nicht auch von ihnen gezeichnet werden könnten. Diese spontanen Aufträge brachten den Künstlerinnen zusätzlich etwas Geld in die gemeinsame Kasse ein.

Von so viel Unterstützung regelrecht überwältigt, wollten die Drei der Stadt Kofu aus Dankbarkeit etwas zurück geben und so gestalteten sie verschiedene Gebäudewände mit an Kofu angelehnten Motiven. Dieser besondere Ausdruck der Dankbarkeit berührte wiederum die Bürger der Stadt sehr.

„Hier in Kofu, wo doch jeder jeden irgendwie kennt, wurden wir ein Teil der Gemeinschaft“, berichtet Oriana Marin. „Wir geben ihnen etwas und sie geben uns etwas zurück und ich finde das wunderschön und sehr wichtig.“ Weiter sagt sie: „Es fühlt sich für mich an, als seien sie meine Schwestern [Currea, Campos und Watanabe, Anm.d.Red.]. Denn wir sind, wie wir sind und es funktioniert. Wir sind ein Team!“

Doch trotz aller Hilfe, Zuspruch und schönen Erfahrungen kommt auch irgendwann das Heimweh. So haben Currea und Campos bekannt gegeben, zu versuchen, im Januar Flüge in ihre Heimat Kolumbien beziehungsweise Brasilien zu buchen. Marin hingegen hat sich entschieden, noch länger in Japan zu bleiben, da sie sich in dieses Land verliebt habe. Mit Hilfe eines Studenten-Visas soll ihr das möglich gemacht werden.

„Ich werde emotional, wenn ich daran denke“, gesteht Teresa Currea bezüglich ihrer bevorstehenden Trennung. „Niemand kann uns diese Erfahrungen wegnehmen. Sie sind bereits unser Schatz geworden. Sie werden uns immer begleiten.“




Autor: Kathia Krüss
Datum d. Artikels: 04.01.2021
Bildcopyright: ©Tomohiro Osaki


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