2014-03-26 - Ein Manga über die Arbeiter auf der zerstörten Anlage Fukushima Daiichi
Geschrieben vonQuelle: japantoday.com
"Als Erstes: Niemand, der auf der Anlage arbeitet, nennt sie 'Fukushima Daiichi'", erklärt Kazuto Tatsuta. "Es ist 'ichi efu', oder '1F'." Er muss es wissen, denn er arbeitete vom Juni bis Dezember 2012 selbst auf der Anlage, bis die für ihn erlaubte Strahlenbelastung von 20 Millisievert fast erreicht war. Aber eigentlich ist er Mangaka.
Kazuto Tatsuta ist nur sein Künstlername. Er hat Angst dafür geächtet zu werden, dass er auf der Anlage in Fukushima gearbeitet hat, wenn jeder wüsste, wer er wirklich ist. Dennoch wollte er seine Eindrücke, die er während seiner Arbeit gewonnen hat, mitteilen und so entstand ein Manga daraus. Es geht ihm dabei nicht darum, im Streit um Atomenergie pro oder contra zu beziehen. "Ich wollte nur einen Eindruck für die Geschichte festhalten. Ich wollte zeigen, wie das Leben auf der Anlage aussieht, wie meine Erfahrungen dort waren", sagt Tatsuta.
Viele, die über das AKW in Fukushima reden aber keine persönlichen Erfahrungen gemacht haben, stellen sich den Ort womöglich als "Hölle auf Erden" vor – was kein Wunder ist, da er als ein solcher von den Medien nicht selten propagiert wird. Schaut man sich jedoch die Zeichnungen von Tatsuta an, ist man überrascht, wie "normal" der tägliche Ablauf der Arbeiter aussieht. Natürlich gilt es, eine enorme Anzahl an Schutzkleidung und -Masken zu tragen und allein das an- und ausziehen selbiger nimmt einiges an Zeit in Anspruch. Aber im Grunde ähneln viele Arbeitsabläufe denen eines Bauarbeiters, und dieser ist an seinem Arbeitsplatz ja auch täglichen Gefahren wie Funkenflug und Abstürzen ausgeliefert. "Ich fühlte mich nie der körperlichen Gefahr ausgesetzt", berichtet Tatsuta. "Du kannst die Strahlungen nicht sehen."
"1F: The Labor Diary Of Fukushima Daiichi Nuclear Power Plant" lautet der Titel des Mangas. Die erste Episode gewann einen Newcomer-Preis und wurde vergangenen Jahres im wöchentlichen Manga-Magazin "Morning" in Japan veröffentlicht. Die darauf folgenden Episoden erscheinen kommenden Monat und der Verlag Kodansha Ltd. plant sogar eine ganze Serie. "1F" ist der bisher größte Erfolg des 49jährigen. Dabei betont er, dass er nicht beabsichtigt, mit diesem Manga die Arbeiter auf der Anlage zu glorifizieren, er ist aber der Meinung, sie verdienen eine bessere Bezahlung für das was sie tun. Der Lohn beginnt bei 8.000 Yen (ca. 56 Euro) pro Tag und kann ein Maximum von 20.000 Yen (ca. 142 Euro) pro Tag erreichen.
Eine englische Übersetzung eines Auszugs von "1F" kann man sich derzeitig auf Facebook ankucken.
