2015-10-05 - Fragwürdiger Slogan des Ministerpräsidenten
Geschrieben vonQuelle: japantoday.com
Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe wird vom Ausland, aber inzwischen auch vom eigenen Volk, für seine sehr konservative Politik regelmäßig kritisiert. Auch ist es kein Geheimnis, dass Abe Kriegsvertreter ist. Sein neuester Werbeslogan sorgte daher bei Kritikern erst jüngst wieder für Unmut: Sein Ziel sei „eine Gesellschaft, in der alle 100 Millionen Menschen aktiv sein können“.
Die 100 Millionen Menschen stehen für die Anzahl von Menschen, die in den kommenden 50 Jahren nicht unterschritten werden sollen im Bezug auf die sinkende Population Japans. Gegenwärtig liegt Diese noch bei rund 126 Millionen.
Blogger und Historiker kritisieren die Art der kriegsartigen Redekunst, die an Japans Kolonialzeit im Zweiten Weltkrieg erinnert, als alle „100 Millionen“ Zivilisten dazu aufgerufen wurden, lieber den Tod in Kauf zu nehmen als eine Niederlage zu akzeptieren. Ein Kommentator schreibt im Internet: „Abe-chan, ist das eine Rückkehr nach 1937 und eine Bewegung, den vaterländischen Geist zu mobilisieren?“
Abe sprach in der Vergangenheit gerne davon, vor dem „Nachkriegsverlauf flüchten zu müssen“, einem Vermächtnis der US-Besatzungen, von dem Konservative sagen, es würde den Nationalstolz und die Traditionen beschneiden.
Die Beliebtheit um Abe ist bereits gesunken, nachdem er eine umstrittene Änderung der japanischen Verteidigungspolitik durchboxte, mit der es Truppen erlaubt ist, außerhalb der eigenen Landesgrenzen zu kämpfen. Dies geschah zuletzt Ende des Zweiten Weltkriegs 1945.
„Es ist nicht nur Nachkriegs-Nostalgie“, sagt Sven Saaler, ein Geschichtsprofessor an der Sophia Universität in Tokyo. „Er muss seine Redekunst für die nächsten Wahlen steigern. Aber ich denke nicht, dass es Zufall ist, dass so etwas wie Kriegspropaganda miteingeflossen ist.“
