2014-01-26 - Japan und das Anne Frank-Phänomen
Geschrieben vonQuelle: tokyotimes.com
Anne Frank, das deutsche Mädchen jüdischen Glaubens, gilt nicht nur in Europa als beliebte Figur aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs: Auch Japan begeistert sich anhaltend für das Mädchen, welches mit 15 Jahren an Krankheit in einem Konzentrationslager verstarb. Jedoch sind Japans Beweggründe andere als die der Europäer.
Alain Lewkowicz, ein französischer jüdischer Journalist, hat sich dem sogenannten Anne Frank-Phänomen in Japan angenommen. Während Frank für die Europäer als Symbol des Holocausts und Opfer von Rassismus steht, identifiziert sich Japan mit der Opferrolle im Zweiten Weltkrieg.
"Sie symbolisiert das ultimative Opfer des Zweiten Weltkriegs", erklärt Lewkowicz. "So sehen die meisten Japaner ihr eigenes Land im Bezug auf die Atombomben – ein Opfer, niemals ein Täter."
Durch den Atombombenabwurf der Amerikaner über Hiroshima und Nagasaki sieht sich Japan selbst als Leidtragender. "Sie denken dabei nicht an die zahllosen Anne Franks, welche in den selben Jahren von japanischen Truppen in Korea und China erschaffen wurden", sagt Lewkowicz. Seiner Meinung nach ist Japan noch nicht bereit, sich kritisch mit der eigenen Kriegsvergangenheit auseinanderzusetzen. Jedoch glaubt er, dass Leute, die daran interessiert sind, dem Land die Wahrheit näher zu bringen, mit Hilfe des Beispiels von Anne Frank gut darlegen können, dass Japan in der Vergangenheit manch ähnliche Verbrechen begangen hat.
