2015-10-30 - Japanische Flüchtlingspolitik: Kritik aus den eigenen Reihen

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Quelle: www.japantoday.com

Wie wir bereits berichteten, ist Japan gegenwärtig kaum dazu bereit, Flüchtlinge aus Krisengebieten wie Syrien aufzunehmen. Zwar hat Japan vergangenen Monat angekündigt, 1,6 Billionen US-Dollar für syrische und irakische Flüchtlinge bereitzustellen. Doch das scheint nur ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein.

 

Nun meldete sich Sadako Ogata, UN-Diplomatin und frühere UN-Hochkommissarin für Flüchtlinge, zu Wort. Während Premierminister Shinzo Abe es weiterhin ablehnt, Flüchtlinge aus Syrien in Japan aufzunehmen, kritisiert Ogata, dass sich Japan zu wenig für Menschlichkeit einsetzt, obgleich sie eine größere Rolle in der Weltpolitik anstreben. „Japan muss eine Grundsituation erschaffen, Fremde willkommen zu heißen. […] Sicherlich soll nicht jeder aufgenommen werden, aber jene, die sich in Not befinden, in ernsthafter Not, und die gerne hierher kommen möchten“, sagte Ogata.

 

Weiter weist sie die Behauptung vieler amtierender Politiker zurück, Japan könne nicht mit einer größeren Anzahl von Flüchtlingen umgehen. „Wenn Flüchtlinge millionenfach kämen, das wäre eine andere Sache. Aber die Zahl der hier Ankommenden ist nicht so groß und zu behaupten, Japan besäße keine Ressourcen, ist Blödsinn.

 

Ogata sieht die Problematik vor allem in der traditionsbewussten Einheitlichkeit, die noch heute in der japanischen Kultur vorherrscht. Würden japanische Politiker sich den Flüchtlingen offener gegenüber verhalten, würde dieses Verhalten auch auf den normalen Bürger abfärben. „Aber wenn die Spitze nicht funktioniert und keine Antworten gibt, […] wird auch nichts vom Boden kommen. Die Führung ist der Schlüssel.

 

Mangelnde Arbeitskräfte sucht Abe lieber in Frauen und älteren Leuten statt in Migranten, daraus macht der Premierminister keinen Hehl. Auch diese Einstellung kritisiert Ogata. In ihren Augen benötigt Japan eine angemessene Migrations-Politik. „Japan braucht ausländische Arbeiter. Würde Japan ohne eben diese überleben können...?

 

Vergangenen Monat brachte Japan eine Gesetzesänderung auf den Weg, wodurch dem japanischen Militär seit Ende des Zweiten Weltkriegs wieder Überseeeinsätze erlaubt sind.

Ich denke nicht, dass es hier um Kampfeinsätze geht“, äußerte sich die 88jährige. „Wir waren ein sehr starkes Kriegsland, wir haben im Krieg gekämpft und verloren, okay?