2015-03-11 - Landeigentümer sind entsetzt über geplante Lagerstätte in Fukushima
Geschrieben vonQuelle: japantoday.com
Das Unglück von Fukushima ist heute auf den Tag genau vier Jahre her. Doch die Situation rund um das AKW Fukushima Daiichi hat sich noch immer nicht entspannt. Haben zahlreiche Anwohner der Region durch den Tsunami sowie dem Reaktor-Unglück nicht nur ihr Heim und ihre Angehörigen verloren, droht ihnen nun zusätzlich auch noch der Verlust ihres Grundstücks. Denn die Landesregierung plant eine großflächige Lagerstätte für den atomverseuchten Abfall – dort, wo bis vor vier Jahren noch Menschen gewohnt und gewirtschaftet haben.
Einer von ihnen ist der 49jährige Norio Kimura. Er verlor durch den Tsunami seine Frau, seinen Vater und seine siebenjährige Tochter Yuna. Wie viele Menschen machte auch er sich kurz nach dem Tsunami auf die Suche nach seiner Familie, wurde jedoch dazu gedrängt, diese zu unterbrechen, nachdem es auf der AKW-Anlage zu Explosionen gekommen war. Diese befindet sich gerade mal drei Kilometer von seinem Haus entfernt.
Nach Monaten begab sich Kimura erneut zum Ort des Geschehens und konnte die leblosen Körper seiner Frau und seines Vaters ausfindig machen. Von seiner Tochter blieben ihm jedoch lediglich mit Schlamm vollgesogene pinke Röcke, ein Paar gestreifter Leggins und ein geschwärztes, weiches Spielzeug. Noch immer durchkämmt er den verlassenen Strand, auf der Suche nach Yuna.
Bisher hat Japan über 1,5 Trillionen Yen (etwas über 7,7 Billionen Euro) in die Säuberung des umliegenden Gebiets investiert. Diese äußert sich so, dass täglich Straßen mit Wasser geflutet, Häuserfassaden geschrubbt, Äste und Zweige abgeschnitten und kontaminierte Erde vom Ackerboden abgeschabt wird. Der daraus entstehende Abfall türmt sich nun in blauen und schwarzen Plastiksäcken, die quer durch Fukushima auf verlassenen Feldern, Parkplätzen und sogar Hinterhöfen abgestellt werden.
In den Städten Okuma und Futaba plant die Regierung nun eine Lagerstätte für diesen Müll. Entgegen der Zustimmung der dortigen Bewohner.
„Durch dieses Land ist unser aller Blut und Schweiß geflossen und ich kann einfach nicht zulassen, dass so etwas daraus gemacht wird“, meint Koji Monma, 60, aus Okuma.
Die geplante Stätte soll eine Größe von 16 Quadratkilometern betragen und für 30 Jahre zur Verfügung stehen. Doch das Misstrauen der Anwohner aus den betroffenen Regionen gegenüber ihrer Regierung ist groß.
„Ich bin mir sicher, die planen diesen Ort als Endlagerung für den radioaktiven Müll“, sagt Takashi Sugimoto, ein 73jähriger Landeigentümer. „Ich kann ihnen nicht vertrauen, niemand kann das, was in 30 Jahren sein wird.“
Vergangenen November wurde Japan Environment Storage and Safety Corp (JESCO), eine Staatsfirma, die keinerlei Erfahrungen im Umgang mit radioaktivem Material hat, mit der Durchführung dieses Plans beauftragt. Das Ministerium hat derweil rund 140 Vertreter angeheuert, welche die Verhandlungen über den Verkauf des Lands mit den jeweiligen Eigentümern durchführen werden.
Kimura, der heute in der Präfektur Nagano lebt, weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann die Verhandlungen auch ihn erreichen werden. Er hat sich geschworen, keines ihrer Angebote anzunehmen.
