2017-05-02 - Pressefreiheit in Japan - das war einmal
Geschrieben vonQuelle: Jan Knüsel - asienspiegel.ch
Es gab mal eine Zeit, und die liegt noch gar nicht so lange zurück, da gehörte Japan mit zu den Ländern, in denen die größte Pressefreiheit galt: Bis auf Platz 11 haben sie es geschafft. Das war im Jahre 2010.
Heute sieht es anders aus – erschreckend anders, denn den ehemaligen 11. Platz musste Japan gegen den 72 . (!) eintauschen. Dies stellte die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) kürzlich fest.
Als Hauptgrund wird die Politik des Regierungschefs Shinzo Abe genannt, der seit 2012 in diesem Amt tätig ist. 2013 verhängte er das „Gesetz zum Schutz von Staatsgeheimnissen“ - von Seiten der Medien hatte es damals großen Protest gehagelt. Dieses Gesetz besagt, dass verschiedenste Informationen bis zu 60 Jahren als Staatsgeheimnis unter Verschluss gehalten werden dürfen. Wenn ein Journalist betreffende Informationen trotzdem in die Öffentlichkeit trägt, drohen ihm bis zu 10 Jahre Haft. Hinzu kommt, dass sich die Regierung seither auch zunehmend in die Berichterstattung der Medien einmischt und die Richtung vorzugeben versucht, wie über was berichtet werden darf – und ob überhaupt.
Schon mehrere regierungskritische Nachrichtenmoderatoren, wie etwa Ichiro Furutachi (Asahi TV), Hiroko Kuniya (NHK) oder auch Shigetada Ishii (TBS), haben sich derweil von ihrem Job verabschiedet. Zudem begehen immer mehr Medien schon Selbstzensur, meint RSF.
Auch wird von nationalistischen Gruppen berichtet, die Journalisten, die kontroverse Themen angehen, versuchen einzuschüchtern. Freischaffende und ausländische Journalisten werden inzwischen von den exklusiven Presseklubs verschiedener Behörden schon völlig ausgeschlossen.
Eine neutrale Berichterstattung wird dadurch immer schwieriger.
