Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Und auch dieses Jahr hat unsere Redaktion keine Mühen gescheut, euch ihre Highlights des ausklingenden Jahres 2018 zu präsentieren und damit dem einen oder anderen vielleicht einen Denkanstoß zu geben, was er seinen Liebsten zu Weihnachten unter den Baum legen könnte...!

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Haiku – Eine Momentaufnahme

 
Haiku ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die sich auch heute noch großer Popularität erfreut. Es spiegelt durch seine Kürze und Schlichtheit den Moment in treffenden Worten wider.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verbreitete sich zunehmender eine Form des Kettengedichtes aus dem Adel, auch in bürgerlichen Kreisen. Diese Gedichtform bezeichnete man als Haikai Renga. Es bestand aus einem Anfangsvers (Hokku), der von einem anderen Dichter beantwortet wurde. Dieses Schema zog sich durch das gesamte Gedicht und man sprach somit auch von einem Antwortgedicht. Das klassische Haiku, so wie es heute bekannt ist, ist für sich genommen der Anfangsvers des Haikai Renga, der sich in drei Wortgruppen gliedern lässt. Diese bestehen aus fünf, sieben und wiederum fünf japanischen Moren (5-7-5). Ingesamt besteht die kürzeste Lyrikform der Welt also aus 17 Silben. Gewöhnlich wird ein Haiku in der Silbenschrift Hiragana verfasst und nicht in drei Zeilen gegliedert, sodass das Haiku lediglich einer Zeile entspricht. Diese Silbenschrift wurde deshalb gewählt, da Wörtern ohne ein spezifisches Kanji unterschiedliche Bedeutungen beigemessen werden können. Dies macht den Reiz dieser Gedichtform aus, der sich in Übersetzungen leider nicht adäquat wiedergeben lässt.

Der erste große Haiku-Dichter war Matsuo Bashô (1644-1694), dessen Frosch-Haiku wohl zu den bekanntesten in der Literaturgeschichte zählt. Ein weiterer wichtiger Dichter war Masaoka Shiki (1867-1902), der maßgeblich zur Verbreitung des Haiku beitrug. Für ihn entsprach das Wesen des Haiku der Sinnlichkeit des Augenblicks, ehrlich und unverfälscht. Nach dieser Auffassung wird ein Haiku erst vollendet, wenn der Leser seine eigenen Gedanken und Gefühle mit hineinfließen lässt.
In den 50ern schaffte es das Haiku in Nordamerika zum ersten Mal, außerhalb Asiens Fuß zu fassen. R. H. Blyth, der eine vierbändige Haiku-Anthologie veröffentlichte, machte das Haiku vorerst im englischsprachigen Raum bekannt.

Heutzutage findet man es in allen Ecken der Welt, wobei das Internet vor allem im deutschsprachigen Raum zur Verbreitung beigetragen hat. So gibt es das Haiku nun in vielen verschiedenen Ländern in ebenso vielen unterschiedlichen Sprachen.




Vielleicht machen euch die folgenden, ausgewählten Haiku Lust darauf selbst kreativ tätig zu werden und ein oder gar mehrere Haiku niederzuschreiben!
Ausgewählte Haiku:

Der alte Weiher: Ein Frosch springt hinein.
Oh! Das Geräusch des Wassers.
(Matsuo Bashou, 1644-1694)


An allen Häusern
Geschlossene Türen: Das Dorf im Winter
(Masaoka Shiki, 1867-1902)


Das Schlachtross kommt allein zurück
Vom Baum fällt ein Blatt
(Issa, 1763-1827)


Buchtipp:
  • Haiku. Japanische Gedichte. Dietrich Krusche (dtv, München 2002, ISBN 3-423-12478-4)
  • Haiku. Japanische Dreizeiler. Jan Ulenbrook (Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-050048-6)
Autor: Mirjam Maier /  Yanis
Lektor: Kathrin Hommel
Datum d. Artikels: 24.10.2010
Bildcopyright: Wikipedia


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