Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Die kleine Okko erfährt den Verlust ihrer Eltern bereits sehr früh. Doch zum Glück erhält sie Unterstützung aus der Geisterwelt...!

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Das Kohai-Senpai-Verhältnis in der japanischen Gesellschaft

 
Jeder Japaner weiß, dass er seinen senpai um Rat fragen kann. Die uns aus High-School-Mangas bekannten Anredeformen finden sich nämlich auch außerhalb der Schule wieder.

Zwischenmenschliche Beziehungen und Hierarchien haben in Japan tiefe Wurzeln. Der jahrhundertelang bestehende Feudalstaat bildet den Ursprung und das größte Gebilde der hierarchischen Ordnung.
Das Zusammentreffen zweier Personen und die daraus entstehende Beziehung zueinander innerhalb einer Gesellschaft wird als kizuna bezeichnet. In der noch heute bestehenden Beziehungsgesellschaft in Japan werden die Merkmale schon in der frühkindlichen Erziehung geprägt. Jeder Einzelne wird in dieses Gruppenethos eingebunden und ist sich seiner Stellung dem nächsten gegenüber wohl bewusst. Ebenso wird erwartet, dieses horizontale und vertikale Bindungsnetz aufzubauen und zu pflegen.

Schüler ind Lehrer
Der erste stark ausgeprägte Teil dieser Tradition findet sich in der Schule, in einer besonders empathischen Schüler-Lehrer-Beziehung. Außerhalb der üblichen Unterrichtsfächer soll der Lehrer die Schüler in Moral, sozialem Verhalten, Hygiene und anderen Bereichen anleiten. Dieser Usus zieht sich bis ins Studium fort und es ist nicht unüblich, den Lehrer in persönlichen Angelegenheiten um Rat zu fragen oder ihn sogar als Trauzeugen haben zu wollen. Oft wird dem Studenten auch der Schritt ins Berufsleben über diese Beziehung erleichtert.
Den betreffenden Lehrer oder die Lehrerin redet man sein ganzes Leben lang, ob im Kindergarten oder als erwachsene Person, mit sensei an.

Schüler untereinander
Ebenso wichtig ist das Verhältnis der Schüler untereinander. Der Klassenzusammenhalt ist essentiell für den Erfolg jedes Einzelnen. Daher werden in der Grundschule die sozialen Fähigkeiten verstärkt gefördert. Auch bei Leistungsdifferenzen werden die Schüler ermutigt, sich noch mehr zu bemühen, um in der Gemeinschaft zu verbleiben. So kommt es in der 6-jährigen Grundschulzeit so gut wie nie zum Sitzenbleiben.
Auch neben dem einsetzenden Leistungsdruck in der Mittelschule bleiben gemeinsame Verantwortung und kooperativ gelöste Aufgaben zentrale Praktiken innerhalb der Schule. In willkürlich gebildeten Gruppen werden Aufräumarbeiten und Hilfsdienste verrichtet. Der Gemeinschaftscharakter wird durch große Veranstaltungen, ein bestimmtes Schullied und gemeinsames Aufräumen aufrechterhalten.
Innerhalb akademischer Aufgabenbereiche sollen die Schüler voneinander lernen, meist die Jüngeren (kohai) von den Älteren (senpai). Bezugspunkt bei diesem Senioritätsprinzip ist die Erfahrung der jeweiligen Person im geteilten Bereich, also hier die Klassenstufe.

Beruf
Im Berufsleben oder in Verbänden entscheidet dann auch nicht das Alter, sondern die längere Mitgliedschaft in dieser Organisation. Der kohai verlässt sich auf die Anweisungen des senpai, der ihm die üblichen Verfahren und Vorkommnisse erklären soll.
Dieses Verhältnis wird auch dann nicht aufgelöst, wenn die Leistungen des kohai die des senpai übertreffen sollten. Nach außen hin werden sie durch den gemeinsamen Rahmen gebunden, also die Schule, den Club, das Dojo und ähnliches.

Grundlagen dieser Tradition finden sich in der Leistungsbereitschaft und in der Bedeutsamkeit von Schule und Bildung, was stark vom Konfuzianismus geprägt ist. Die Einheitlichkeit und das Vertrauen in Institutionen und den anderen Menschen, der Teil der selbigen ist, sind bestimmend im gesamten Alltag. Somit ist die kizuna als lebenslanges Personengeflecht ein verlässlicher Punkt im Leben eines Japaners.
Autor: Anne Ballhaus
Lektor: Verena Munstermann
Grafiker: Rebecca Bertram /  Reh-Baecker
Datum d. Artikels: 09.01.2011
Bildcopyright: www.piqs.de


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