Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Gigantische Wale am Nachthimmel, Clans, die um die Vorherrschaft kämpfen - all das sind Elemente des Fantasy-Romans "Die Clans von Tokito" von Caroline Brinkmann. Im Interview sprechen wir mit der Autorin über Freund und Feind und welchem Clan sie sich anschließen wollen würde.

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Hashima

 
„Gunkanjima“ (dt. „Schlachtschiffinsel“) - nicht umsonst nennen die meisten Japaner die verlassene Insel Hashima so. Für den Betrachter wirkt es zunächst wie ein apokalyptischer Kriegsschauplatz, ein Mahnmal für ein schreckliches Ereignis. Die Insel, die aus der Entfernung tatsächlich die Silhouette eines Kriegsschiffes hat, erinnert an eine in kürzester Zeit evakuierte Sperrzone. Aber was ist hier passiert? Warum haben alle Anwohner die Insel so fluchtartig verlassen? Die Antwort ist eigentlich eher ernüchternd.
Hashima, eine gerade mal 6,3 Hektar große Insel vor der Küste der japanischen Stadt Nagasaki, galt einst als der dichtbesiedeltste Ort der Welt. 1959 zählte man sogar stolze 83.476,2 Einwohner pro Quadratkilometer – manchmal lebten bis zu 5259 Menschen auf Hashima. Das ist mehr als in den dichtbesiedeltsten Vierteln im heutigen Tokio.
Hashima liegt drei Kilometer südlich von der größeren Nachbarinsel Takashima im Ostchinesischen Meer und diente von 1887 bis 1974 als unterseeisches Kohle-Abbaugebiet. Die Insel war der Stolz der japanischen Industrie, ein Musterbild für die Gesellschaft und ein Symbol des Fortschritts.
Im Jahr 1890 kaufte der Mitsubishi-Konzern die Insel und die nötigen Bodenrechte. Vor Hashima förderte man bereits auf Takashima Kohle, diese jedoch wurde nur als Brennstoff zur Salzgewinnung benutzt.
1916 wurde das erste japanische mehrstöckige Gebäude aus Stahlbeton gebaut und ab hier begann auch die Blütezeit Hashimas. Nur der Manager hatte ein Privathaus auf der Spitze der Insel, während gewöhnlichen Arbeitern gerade mal 9,9 Quadratmeter große Zimmer zugestanden wurden – was in etwa sechs Tatami-Matten entspricht. Verheiratete und Familien bekamen den doppelten Raum, während man sich Toiletten, Bäder und Küchen teilte. Mit dem Ausbau der Stadt wurde die Infrastruktur aus Platzmangel zunehmend unter die Erde verlegt, Elektrizität und Wasser wurden durch Leitungen vom Festland auf die Insel geholt. Was sich wie Gemüse und Kräuter ziehen ließ, bauten die Arbeiter und ihre Familien in Dachgärten an.
Es gab neben den notwendigen Einrichtungen wie zum Beispiel einem Krankenhaus, einem Polizei- und einem Postamt auch einen Kindergarten und Schulen, aber nur eine Turnhalle, Badeanstalten, einen Swimming-Pool und sogar ein Kino und ein Bordell. Dazu noch einige Gaststätten, 25 Geschäfte, ein Hotel und religiöse Einrichtungen, wie Tempel und Schreine, und eine Kläranlage; was aber fehlte war ein Friedhof.






Im zweiten Weltkrieg ersetzten chinesische und koreanische Zwangsarbeiter die ursprünglichen Arbeiter. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren furchtbar. Man schätzt die Todeszahl auf Grund von Erschöpfung und den unmenschlichen Arbeitsbedingungen auf rund 1300. In den unterseeischen Tunneln bildeten sich Gase, ständig musste man Angst haben, dass die Decken einbrachen, und manche der Zwangsarbeiter sollen so verzweifelt gewesen sein, dass sie sogar versuchten, von der Insel zum Festland zu schwimmen. Die Leichen wurden einfach in aufgegebenen Stollen verscharrt oder ins Meer geworfen.
Es war so eng, dass sich das öffentliche Leben praktisch auf den Wohnanlagen abspielte. Der Kindergarten und das Schwimmbad mussten auf die Dächer verlegt werden, direkt daneben wurde einmal in der Woche ein Markt abgehalten.
Aber es gab auch viele, die besonders von der Blütezeit Hashimas nach dem Zweiten Weltkrieg profitierten. Es gibt Aussagen, dass der fehlende Platz zu einer Gemeinschaft führte, bei der jeder dem Nachbarn half.
Da der Lebensstandard hier höher als im restlichen Japan war, hatten die Arbeiter bereits Anfang der sechziger Jahre Kühlschränke, Fernseher und Waschmaschinen.
Das alles ging jedoch schlagartig zu Ende, als der Mitsubishi-Konzern am 15. Januar 1974 die Schließung der Kohlewerke verkündete. Die Nachfrage nach Kohle sank zunehmend, da nun das Erdöl den Markt an sich nahm und der Erhalt der Insel lohnte sich nicht mehr. Fluchtartig verließen die nun Arbeitslosen ihre einstige Heimat, während nur ein Demontagekommando zurückblieb.
Das letzte Boot legte am 20. April 1974 ab und seit der Werksschließung stehen die Ruinen der einst so lauten, lebhaften und blühenden Stadt verlassen da – abgesehen von ein paar wilder Katzen, die die Stilllegung offenbar verpasst hatten.
Wegen der Einsturzgefahr wurde die Insel zu militärischem Sperrgebiet erklärt und das Betreten war verboten. Trotzdem zeigten Spuren wie Graffiti, Abfälle und verlassene Feuerstellen, dass besonders Jugendliche von der auch als „Geisterstadt“ bekannten Insel schier magisch angezogen wurden.
Erst seit April 2009 ist Hashima wieder zugänglich, da die Insel nun auch für Touristen zunehmend interessanter wird und das hat auch die Regierung erkannt. Nagasaki zum Beispiel bietet Bootsumrundungen an.




Autor: Teresa Schießl /  toastbrot95
Lektor: Jennifer Brox
Grafiker: Nathalie Schöps /  unbekannt
Datum d. Artikels: 18.02.2012
Bildcopyright: Wikimedia Commons


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