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Andreas Neuenkirchen ist bekannt für seine Japanbücher, sowohl in Romanform wie auch als Reiseliteratur. Mit „Kawaii Mania“ hat er ganz frisch einen neuen Titel auf den Markt gebracht – und uns Rede und Antwort gestanden!

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Ikebana - Die Kunst des Blumenarrangierens

 
Blumenarrangements sind schön anzusehen und können die Stimmung eines Menschen maßgeblich beeinflussen. Während wir uns oft schon mit einem kompakten Blumenstrauß in der Vase zufrieden geben, haben die Japaner eine sehr viel komplexere Methode entwickelt: Ikebana.
Unter dem Begriff „Ikebana“ (wörtlich „lebende Blumen“) versteht man die japanische Kunst des Blumenarrangierens. Der Ursprung dieser Kunst findet sich in China, wo buddhistische Mönche Blumen und Zweige, die vom Sturm abgeknickt oder -gebrochen waren, als Blumenopfer in Vasen auf den Altar stellten. Ungefähr im sechsten Jahrhundert kam diese Tradition, zusammen mit dem Buddhismus, über Korea schließlich nach Japan.


Jedoch handelt es sich bei Ikebana nicht um simples Zusammenbinden oder -stecken von Blumensträußen, wie man es aus deutschem Raum kennt: Die japanische Kunst unterliegt sehr strengen Regeln, sowohl was die Anordnung als auch das Material betrifft. So wird zum Beispiel, je nach Art der Gestaltungsform, großer Wert auf zur aktuellen Jahreszeit passende Materialien gelegt. Auch die Vase beziehungsweise das Gefäß wird passend zum Blumenarrangement gewählt und dient somit mehr als nur seinem Zweck als Wasser- oder Haltgeber. Im Nageire-Stil wird unter anderem ganz genau darauf geachtet, in welchem Winkel sich die einzelnen Elemente zueinander befinden. Und beim Chabana-Stil, der gerne als ästhetische Untermalung zur Teezeremonie dient, wird sogar auf die Farbe des Kimonos des Gastes eingegangen.

Anfänglich war die Kunst des Ikebana ausschließlich adligen Männern vorbehalten. Während der Kamakura-Zeit (1185 – 1333) erlernten die Samurai, Priester und Mönche diese Kunst und vom späten 13. bis ins 16. Jahrhundert hinein wurden diesbezüglich sogar Wettkämpfe abgehalten. Das älteste, noch existierende Dokument über Ikebana, „Kao irai no Kadensho“, entstammt ebenfalls diesem Zeitraum, genauer gesagt dem Jahre 1486. In der Schrift des „Senno Kuden“ von 1542 wird dem Ikebana erstmals ein tieferer Sinn zugeschrieben, welcher über die bloße hübsche Ästhetik hinausgeht.

Ende des 16. Jahrhunderts kam der Rikka-Stil in Mode, welcher eine zunehmende Komplexität in der Kunst des Ikebana darstellt. An dieser Entwicklung maßgeblich beteiligt waren die Blumenmeister Senko I und Senko II. Hierbei besteht das Blumengebilde aus sieben oder neun sogenannten Hauptlinien und soll eine idealisierte Landschaft darstellen. Verwendung finden Rikka hauptsächlich bei zeremoniellen Anlässen und Ausstellungen.
Ungefähr zur gleichen Zeit entstand der bereits erwähnte Chabana-Stil, woraus sich wiederum der Nageire- und der Shoka-Stil entwickelten. Diese beiden Ikebana-Stile sind im Vergleich zum Rikka wesentlich einfacher zu gestalten und problemloser in den Alltag zu integrieren, da sie nicht zwangsläufig speziellen Anlässen unterworfen sind.




Zu Beginn der Meiji-Zeit (1868 – 1912) kam die Entwicklung des Ikebana ins Stocken, was nicht zuletzt mit der zunehmenden Auseinandersetzung mit der westlichen Welt in Verbindung stand. In vielen Bereichen musste Japan nun lernen, Tradition und Moderne in geschickten Einklang zu bringen. Das war die Geburtsstunde des Moribana-Stils: Hier sind nun alle Materialien aus der Pflanzenwelt erlaubt und zur Befestigung dient der Kenzan, ein aus Messingnadeln bestehendes Gebilde, in welches die Blumen simpel reingesteckt werden können. Da diese Methode weitaus mehr Freiraum für die eigene Kreativität zulässt als die vorherigen Stile und das Vorgehen keine jahrelange Ausbildung benötigt, wurde Moribana massentauglich und gilt heute als einer der beliebtesten Stile.

Ein ebenfalls sehr freier Stil ist das Jiyuka: Hierbei sind der Fantasie kaum noch Grenzen gesetzt. Sowohl totes Holz als auch Materialien außerhalb der botanischen Welt dürfen integriert werden. Ebenso wenig gibt es für die jeweilige Befestigung eine vorgegebene Regel. Allerdings sollte das Blumengebilde mit der Farbe und Form seines Gefäßes harmonieren.

Seit einiger Zeit kommen „vereinfachte“ Formen der alten, traditionellen Stile vor, als Beispiel seien hierfür das Shoka shimputai sowie das Rikka shimputai genannt. Das Shoka shimputai gibt es offiziell erst seit 1977 und wurde vom Blumenmeister Ikenobo Sen'ei eingeführt. Zur Verfügung stehen drei verschiedene Materialien, die Art der Verwendung beziehungsweise des Arrangierens unterliegt jedoch weniger strengen Regeln als des ursprünglichen Shoka.
Noch jüngeren Datums ist das Rikka shimputai. Auch dieses stammt von Ikenobo Sen'ei, jedoch aus dem Jahre 1999. Dieser Stil steht unter dem Motto „Harmonie in Schönheit für zeitgenössische Wohnumgebungen schaffen“. Wie beim Shoka shimputai wird sich auf den ursprünglichen Stil besinnt, die Ausführung kann jedoch freiräumiger gestaltet werden.




Zum Erlernen von Ikebana gibt es verschiedene Schulen: Die älteste Schule in Japan ist die Ikenobo-Schule, welche ihren Hauptsitz in Kyoto hat. Auch die Ohara-Schule mit Sitzen in Tokyo, Osaka und Kobe zählt zu den landesweit einflussreichsten.
Inzwischen haben sich jedoch ebenso im deutschen Raum zahlreiche Ikebana-Schulen angesiedelt, wie zum Beispiel die 1. Deutsche Ikebana-Schule oder die Stuttgarter Ikebana-Schule.
Autor: Kathia Krüss
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Kathia Krüss
Datum d. Artikels: 28.12.2013
Bildcopyright: Wikimedia Commons


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