Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Andreas Neuenkirchen ist bekannt für seine Japanbücher, sowohl in Romanform wie auch als Reiseliteratur. Mit „Kawaii Mania“ hat er ganz frisch einen neuen Titel auf den Markt gebracht – und uns Rede und Antwort gestanden!

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Freeter - Wenig Geld, viel Zeit

 
Sie haben oft einen steinigen Weg zu bewältigen, doch nicht jeder von ihnen tut dies unfreiwillig: Freeter.
Bei einem Freeter handelt es sich um – meist junge – Menschen, die keinen festen Arbeitsvertrag haben. Sie leben von Neben- und Aushilfsjobs und manche von ihnen sind sogar selbstständig. Ihr Stundenlohn liegt umgerechnet bei etwa sechs bis zehn Euro und bei dem hohen Lebensstandard der Japaner, lässt sich schnell ausrechnen, dass Freeter mit diesem Gehalt gerade so über die Runden kommen. Aus diesem Grund wohnen viele auch noch bei ihren Eltern, da dies günstiger ist, beziehungsweise manche Freeter gar nicht erst genügend Geld für eine eigene Wohnung zusammenbekommen.

Aber wie kann es sein, dass in einem leistungsorientierten Land wie Japan, wo manche Arbeitnehmer die Firma öfter sehen als die eigene Familie, andere Menschen am Existenzminimum leben? Die Ursprünge gehen zurück auf die späten 1980er Jahre, als die „Bubble Economy“, die Blasenwirtschaft, in Japan zu platzen begann. Erlebte die Wirtschaft jahrzehntelang konstantes Wachstum, war plötzlich das Maximum des gerade Möglichen erreicht worden und die Erfolge nahmen stetig ab. Ein Vertrag auf Lebenszeit, wie er bis dahin für japanische Firmen normal war, galt fortan immer weniger als selbstverständlich. Auf der anderen Seite konnte es aber auch passieren, dass ein erfolgreich abgeschlossenes Studium plötzlich nicht mehr viel wert war, weil sich der Markt in der Zwischenzeit so rasant gewandelt hatte, dass im jeweils studiertem Bereich kaum noch Arbeitskräfte gesucht wurden.

Allerdings gibt es auch Menschen, die sich ganz bewusst dafür entscheiden, einen Weg abseits der Norm zu wählen. Gerade junge Menschen, die mit konservativen Wertevorstellungen nicht viel anfangen können, sind offen für Alternativen. Sind die Nachteile eines Freeters oftmals das geringe Einkommen, haben sie dafür aber meist deutlich mehr Freizeit als ihre dauerarbeitenden Mitmenschen. Dadurch lassen sich Hobbys besser ausleben, es bleibt mehr Zeit für die Freunde und manch einer kann als Freeter auch seinen Traum in den verschiedensten Bereichen verwirklichen: So kann er zum Beispiel eine Tätigkeit in einem künstlerischen Bereich ausführen und sich im späteren Verlauf, darauf basierend, selbstständig machen.
Und noch ein Vorteil bringt die gewonnene Freizeit: Man kann sich effektiver politisch engagieren und organisieren. So trugen die Freeter deutlich spürbar zu den Demonstrationen in Bezug auf das Reaktorunglück von Fukushima bei. Ein Salaryman schafft es vielleicht noch, die Teilnahme an einem Demonstrationszug durch die Straßen in seinen Terminplan zu quetschen, aber er hätte kaum die Zeit, eine ganze Demo zu organisieren.

Während man in den frühen 1990ern von etwas mehr als einer Million Freetern landesweit ausging, hat sich die Zahl gegenwärtig auf rund zwölf Millionen vervielfacht (Stand: 2014), Tendenz steigend. Sie teilen sich in der Gesellschaft den Außenseiterposten mit den NEET, die eine ähnliche Entwicklung durchmachen.
Mit Büros, die unter der Bezeichnung „Young Support Plaza“ laufen, versucht die Regierung, junge Freeter doch noch in das geregelte Berufsleben einzugliedern. Ihnen wird bei der Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen geholfen und Tipps für Bewerbungsgespräche gegeben. Allerdings ist die Nachfrage der Inanspruchnahme dieser Hilfe recht gering.
Autor: Kathia Krüss
Lektor: Anja Degenhardt
Grafiker: Kathia Krüss
Datum d. Artikels: 18.02.2015
Bildcopyright: funeddy/piqs.de, Sillie/piqs.de


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