Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Andreas Neuenkirchen ist bekannt für seine Japanbücher, sowohl in Romanform wie auch als Reiseliteratur. Mit „Kawaii Mania“ hat er ganz frisch einen neuen Titel auf den Markt gebracht – und uns Rede und Antwort gestanden!

Weiterlesen

Aktuell in Japan:
15.12. - 18.12.: Nara – Kasuga-Fest (regional) | 23.12.: Geburt des Kaisers (gesetzlich) | 15.12. - 18.12.: Nara – Kasuga-Fest (regional) | 23.12.: Geburt des Kaisers (gesetzlich) | 15.12. - 18.12.: Nara – Kasuga-Fest (regional)

Twittern" title= Auf Facebook teilen
Aokigahara - Der Selbstmordwald

 

Rund 120 Kilometer von Tokyo entfernt und am Rande des Berges Fuji liegt Aokigahara, ein Wald, um den sich viele Spukgeschichten ranken. Dies kommt nicht von ungefähr: Aokigahara ist auch bekannt als der Selbstmordwald.
 

Der von Menschen fast gänzlich unberührte Wald Aokigahara strahlt eine unheimliche Ruhe aus. Auf 3500 Hektar erstreckt sich die dicht bewaldete Fläche, in der jährlich etwa 50-100 Menschen Selbstmord begehen. Bereits am Eingang des Waldes steht ein Schild, welches die Menschen dazu anregen soll, ihr Vorhaben nochmals zu überdenken. Zu einer Anlaufstätte für Selbstmörder wurde der Wald, der von ansässigen Bewohnern auch Jukai (Meer der Bäume) genannt wird, nach der Veröffentlichung des Romans Nami no tō (Der Wellenturm) von Matsumoto Seichō, in welchem ein Charakter seiner Geschichte an eben jenem Ort aus unglücklicher Liebe den Freitod wählt. Außerdem soll der Wald für den Brauch Ubasute genutzt worden sein. Dabei wurden die Ältesten einer Familie angeblich an abgelegenen Orten ausgesetzt und dem Hungertod überlassen. Das, die wenigen dort lebenden Tiere und die damit verbundene Stille des Waldes ließen ihn bald als Spukort gelten. Böse Energie soll von den Bäumen ausgehen, die Seelen der Toten sollen durch den Wald wandern und Geister und Dämonen würden Menschen ohne Selbstmordabsichten dazu bringen, sich das Leben zu nehmen. Hohes Eisenvorkommen in den Felsen sorgt angeblich dafür, dass Kompasse nicht richtig funktionieren, was jedoch nie bestätigt wurde.




Seit dem Jahr 1971 sind Polizei- und Feuerwehrkräfte ein Mal im Jahr im Einsatz und durchsuchen den Wald nach toten Personen. Da der Wald jedoch sehr dicht und unübersichtlich ist, werden die meisten Menschen, die sich dort das Leben genommen haben, nie gefunden. Neben den Skeletten, die der Wald beherbergt, finden sich verlassene Zelte sowie Seile an den Bäumen, die als Todeswerkzeug fungierten. Auch sind abseits der Wege Bänder von Menschen an den Ästen zu finden, die sich ihres Todeswunsches unsicher sind. Diese sollen ihnen zur Orientierung dienen, um den Weg zurück zu finden. Offizielle Daten der Polizei geben an, dass in den Jahren von 1998 bis 2002 zwischen 73 und 78 Leichen pro Jahr geborgen worden waren. Im Jahre 2003 waren es 105 tote Personen. Nach 2003 wurden keine weiteren Daten mehr veröffentlicht. Die Behörden der Präfektur Yamanashi versuchen mit Sicherheitsleuten, die um den Wald aufgestellt sind, potentielle Selbstmörder von ihrem Vorhaben abzuhalten. Zudem wurden 350 Einwohner im Umgang mit suizidgefährdeten Personen geschult.

Um Aokigahara den Ruf eines von Geistern heimgesuchten Waldes zu nehmen, wirbt die Präfektur Yamanashi mit einer Wanderung durch den Wald, die die einzigartige Flora und Fauna besonders zur Geltung bringt.
Ob Aokigahara einen Besuch wert ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden und abwägen, ob der Glaube an das Unheilvolle in diesem Wald stärker ist als die Freude an einem Teil unberührter Natur.





Autor: Mirjam Maier /  Yanis
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 01.04.2016
Bildcopyright: Wikimedia Commons


X